Die Magier aus dem Morgenland konnten ihn am wahrscheinlichsten aller Orte nicht finden. Dort war er nicht, dort, am Königshof. So folgten sie der Stimme Gottes, so wie sie sich ihnen zeigte, durch einen Stern. Sie folgten diesem Stern bis zu der Viehhöhle in Bethlehem, einem der unwahrscheinlichsten Orte für die Geburt eines Königs, dessen Größe und Glanz die der bisherigen Könige weitaus überstrahlen sollte. Und sie ließen sich nicht täuschen von der Szene, die sie da sahen: zwischen Vieh und Schmutz ein unbedeutendes junges Paar mit einem neugeborenen Kind. Sie erkannten, dass sie heiligen Boden betraten, auch wenn auf demselben noch Mist vom Vieh klebte. Anstatt sich zu fragen, wie sie sich nur so irren konnten, wo doch hier weder Reichtum, noch Glanz, noch menschliche Macht zugegen waren, freuten sie sich. Sie warfen sich auf den Boden und beteten das Kind, in dem sie Gott erkannten, an.

Was mich an dieser Erzählung, wie Matthäus sie uns berichtet so sehr irritiert, ist das Verhalten der Hohenpriester und Schriftgelehrten, die auf Nachfrage von Herodes hin genaue Antwort geben konnten, wo der langerwartete Retter, der Friedenskönig Israels, geboren werden sollte. Sie zitieren den Propheten Micha (Kapitel 5, 1-4a), und nennen den Ort seiner Geburt: Bethlehem. Sie haben ihre Verse gut gelernt und haben das Wissen sofort parat. Doch sie gehen nicht dorthin. Sie finden Jesus nicht. Und sie beten ihn nicht an.

Wer ihn findet, sind diese Magier, die vom Gott Israels wenig Ahnung haben, die aber seine Stimme hören, und ihr folgen. Sie lassen alles stehen und liegen und begeben sich auf eine wochenlange, beschwerliche Reise. Denn sie wollen ines: dem höchsten aller Könige begegnen. Und als sie ihn finden, in Armut, im Dreck, unbedeutend und klein, erkennen sie ihn und werfen sich vor ihm nieder.

Wer ihn findet, sind die Hirten. Die Hirten von damals, denen man keinerlei Romantik anheften kann. Es waren rauhe und kaputte Gesellen, oftmals mit kriminellem Hintergrund, die zu Jesu Zeiten in diesem Geschäft tätig waren. Hoffnungslose, die wussten, dass sie am Ende der sozialen Kette angekommen waren, unwiderruflich. Das Heer der Engel erscheint nicht den Frommen, den Betuchten, den anerkannten Bürgern. Sie geben ein Konzert zu Ehren Jesu mitten auf dem Feld, und sie wählen die Niedrigsten als Hörer ihrer Botschaft und als Zeugen der großen Ereignisse: die Hirten. So berichtet es uns Lukas. Und auch hier: die Hirten lassen sich bewegen, und suchen den König, der für sie geboren wurde. Und auch sie finden ihn dort, wo man es nicht erwartet hätte. In diesem Höhlen-Viehverschlag. Und sie bekommen Zugang und haben Gemeinschaft mit ihm, denn hier lässt man sie vor.  Am Königshof hätten sie keine Chance gehabt.

Wo suchen wir Jesus? Wo lässt er sich finden? Finden wir ihn heute in einer klassisch perfekten Christvesper , mit Orgelmusik und Krippenspiel? Finden wir ihn in einem Hochglanzgottesdienst mit Videoclip, Lichtshow und geiler Musik?

Vielleicht erscheint er heute auch an ganz anderen Orten, als wir es vermuten. Denn er liebt die Armen. Die Einsamen. Die Zerbrochenen. Die Ausgestoßenen. Dort wird er sein, auch im Jahr 2018. Sein Herz schlägt für die Benachteiligten, die Huren, für die, die ihr Leben verbockt haben.  Er sucht die Missbrauchten, die psychisch Kranken. Er erscheint den Magiern von heute, die auf der Suche sind.

Ich vergesse nie die Aussage einer Freundin, mit der ich die Frauen in den Bordellen besuchte: „Auf unseren Gängen zu den Frauen, erlebe ich Jesus. Im Bordell mit den Frauen ist er mir näher, als im Gottesdienst. Das hier (unsere Besuche bei den Frauen), ist für mich mein wahrer Gottesdienst.“

Gestern waren wir wieder unterwegs. Mit kleinen Weihnachtsgeschenken und mit Gebeten. Mit der Gewissheit: wir bringen Jesus nicht mit ins Bordell – er ist schon da und wartet auf uns. Er ist da, wenn wir ein Bordell betreten, und 80% der Frauen für uns sichtbar unter Drogen stehen, um den Schmerz in sich abzutöten. Er ist da, wenn wir kurz mit ihnen reden. Wir sehen ihn in ihren Augen, wenn sie ein wenig aufleuchten, weil sie ein Geschenk bekommen und weil jemand das ist, der nichts nehmen, sondern geben will. Er ist da, wenn wir eine Bordellwohnung aufsuchen, und eine osteuropäsiche Frau uns splitterfasernackt und auf Pumps öffnet, uns hereinbittet wie langersehnten Besuch und uns bittet, mit ihr zu beten. Er ist da, wenn Letitia aus Martinique, die betont, keine Prostituierte zu sein, uns in die Wohnung, in der immer Prostituierte anzutreffen sind, einlädt, und uns stolz davon erzählt, dass sie Tantramasseurin ist und mit Chakren und Energien arbeitet. Sie zeigt uns ihre kleinen Folien mit Kreisen, die gegen Dunkelengel wirken sollen und auch ihre Energiesteine. Jesus ist mitten unter uns. Und als sie fragt, warum wir Jesus so wichtig finden, erzählen wir, warum wir ihn lieben und was er für uns getan hat. Wir erzählen davon, dass er Lena (die mit mir unterwegs ist) innerhalb von drei Tagen von mehreren Krankheiten geheilt hat ,und dass wir keine Rituale dafür machen mussten. Und Jesus ist da, mitten in den ganzen rituellen Zaubermaterialien, zwischen denen wir sitzen, und Letitia und uns.

Und nicht nur dort, er wird auch da sein, wohin du dich leiten lässt: bei den Geflüchteten, bei den Bettlern, bei deiner Familie, auch wenn sie streitet und es immer Stress gibt, wenn alle zusammen sind. Jesus ist da – an deiner Seite und mitten unter euch. Er ist bei dir, wenn du alleine bist an diesen Tagen. Und er setzt sich zu dir und hält dich in deiner Angst.

 

Und ich hoffe, hoffe, hoffe, und bin auch irgendwie gewiss: er ist auch in den Kirchen und Gemeinden. In den Christvespern und  Hochglanzgottesdiensten. Im Dreck und Leid, welches auch an diesen Orten zu finden ist, wenn auch verborgen unter festlichen Kleidern und Weihnachtsschmuck. Er ist da, wenn wir ihn suchen, und nicht selbstgewirkten Glanz. Denn er ist Immanuel. Gott mit uns.

(alle Photos: kostenlose Fotobibliothek wordpress / pexels.com)
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34 Gedanken zu “Wo ist der neue König? Hochglanzgottesdienste, Bordelle und die Suche nach der Gegenwart Jesu

  1. „Die Einsamen.“—„Die Zerbrochenen“—„Er sucht die Missbrauchten, die psychisch Kranken“—„weil jemand da ist, der nichts nehmen, sondern geben will.“—„er (Jesus) ist schon da“—„Er ist da, wenn…“—„Er ist da, wenn…“—„Und Jesus ist da, mitten in …“er wird auch da sein, wohin du…“—„Er ist bei dir, wenn du alleine bist an diesen Tagen. Und er setzt sich zu dir und hält dich in deiner Angst.“ DAAAAANKE für deine Zuversicht… Danke

    1. Ja – ich verstehe deine Frage. Es ist eine schwierige. Ich will versuchen, zu antworten, weiß aber nicht, wie gut ich es schaffe. Wenn es nicht so gut gelingt, bohrt ruhig nach. Ich glaube,`dass diese Schmerzen, die wir haben aufgrund von Verletzungen und schlimmen und gewaltvollen Erfahrungen, mit zu unserer Lebendigkeit gehören. Dass wir, wenn sie weggewischt würden, nicht wirklich wir selbst wären und nicht wirklich lebendig. Ich erlebe es persönlich so, dass ich da heil(er) werde, wo ich es schaffe (nicht immer gelingt es mir, manchmal ist es auch noch nicht dran) diesen Schmerz zu umarmen/anzunehmen/ zu akzeptieren und Jesus bitte, in diesen Schmerz hinein zu kommen. Dann fühle ich mich getragen und gehalten in dem Schmerz. Kann weinen und wüten, und dann später diese Dinge an Jesus abgeben. Oft passiert dabei Heilung oder ein Heilungsschritt. Ich vertraue darauf, dass Jesus mich in meinem Schmerz sieht und alle kennt, was ich da durchmache. Mit mir weint und wütend ist. Und dass er ihn mir dann abnimmt, soweit ich ihn abgeben kann. Ganz selten erleben ich und Freunde, dass Jesus seelischen Schmerz mit einem mal heilt. Bei Lena, von der ich schrieb, ist so etwas passiert. Ganz krasse Erfahrung. Heilung für Körper und Seele. Aber auch bei ihr gibt es noch Bereiche, die noch Heilung brauchen – und ich vermute, dass die dann eher klassisch ablaufen – wie oben beschrieben. Ich glaube, das hat auch was mit reifen/nachreifen zu tun. Ich weiß nicht, ob ich jetzt zuviel schreibe und am Ziel vorbeischieße. LG!

      1. Nein, ich glaube nicht, dass es gut ist, dass Menschen Schmerzen haben. Ich wünschte, ihr hättet keinen. Ich denke, die Verletzungen, die durch Menschen zufgefügt werden, schmerzen. Und manchmal schmerzen sie während des Heilungsprozesses. Verdrängter Schmerz kann nicht heilen. Manchmal sind wir noch nicht so weit, durch den Schmerz zu gehen, weil wir noch daran zerbrechen würden. Aber wenn es dann so weit ist, und wir es schaffen, den Schmerz zu fühlen, und ihn zuzulassen, beginnt damit oft die Heilung. Ich weiß nicht so ganz genau, wie ihr die Frage meint. Ich hoffe, ich rede nicht an eurer Frage vorbei. Was meine Auffassung von Gott/Jesus betrifft (weil ihr fragtet, warum es noch schmerzt, obwohl Jesus da ist) ist, dass Gott den Schmerz nicht will. Dass Gott Gewalt und die Folgen hasst. Er will nicht, dass die Menschen leiden. Aber er ist bei uns in dem Leiden. Und ich glaube, dass er will, dass wir heil werden. Was ich für absolut irreführend halte ist die Auffassung mancher, dass Gott den Schmerz schickt oder zulässt um uns weiter zu bringen. Das halte ich für Irrlehre. Und dann wäre Gott ein Sadist.

  2. du schreibst gut und nicht vorbei. wenn gott die menschen erschaffen hat (hat er das?), warum hat er sie dann so gebaut, dass sie sich gegenseitig schmerzen machen? weil wenn er die schmerzen nicht will, dann müsste er doch irgendwas machen können? weißt du, wie ich meine? wie könnte er denn vielleicht machen, dass die schmerzen besser heilen können? ist gott und jesus eigentlich das gleiche?

    1. Hallo Pauline-s, habe eure Fragen gelesen und werde später in Ruhe darauf antworten. Sie sind zu wichtig, als dass ich es jetzt mal schnell zwischenschieben möchte. Ich weiß, was du meinst und die Fragen sind berechtigt und sie gehen auf wichtige Grundlagen zurück. Bis später 🙂

    2. So – ich fange mal an 🙂 Zur ersten Frage. Ja, ich glaube, dass Gott die Menschen geschaffen hat und auch alles andere, was existiert. Ich glaube, dass er sie erschaffen hat, weil er liebt. Und weil er Leben ist und Leben schafft. Und weil er seine Liebe ihnen schenken will. Gott wünscht sich eine Beziehung zu den Menschen, die er erschaffen hat. Eine Beziehung, deren Herzschlag Liebe ist, kann nicht auferlegt sein. Deshalb hat Gott den Menschen die Möglichkeit gegeben, sich zu entscheiden. Für die Beziehung zu ihm oder dagegen. Das betitelt man oft mit dem freien Willen. Ich glaube, dass es hierbei aber in erster Linie um Liebe geht: Liebe lässt dem anderen die Entscheidung, wiederzulieben, oder eben nicht. Wenn Gott uns diese Entscheidung nicht lassen würde, würde er nicht aus liebe handeln. Das kann man gut nachvollziehen, wenn man seine eigenen Beziehungen anschaut. Wenn Liebe das Hauptmerkmal ist, bleibt dem anderen auch die Freiheit zu gehen. Wer zwingt, liebt nicht vollkommen. Zumindest wäre diese Liebe irgendwo verdreht.

      1. kann das sein, dass er die menschen gemacht hat mit einer guten basis und dass die menschen aber selbst entscheiden müssen, was sie mit der guten basis machen? und dass wenn gott sie losgelassen hat auf die erde (wenn sie geboren werden), dass er dann auch nicht mehr so ganz viel tun kann, also nicht lenken? dass die menschen dann selbst irgendwann nach ihm suchen müssen, wenn sie wollen?

      2. Ja – ich denke, so ähnlich ist es. Wir haben die Freiheit (weil Liebe immer Freiheit lässt) uns zu entscheiden. Auch, uns für das Böse zu entscheiden. Und er tut alles dafür, dass wir trotzdem wieder zurückkommen können. Ich poste dazu morgen mal etwas, was sehr hilfreich ist, das zu verstehen. Ich denke, Vieles wurde falsch verstanden und es ist einiges an Verdrehung in die traditionelle christliche Auffassung dieser Dinge gekommen.

    3. Weiter gehts: dem Menschen bleibt also die Freiheit, sich gegen eine Beziehung zu Gott entscheiden, weil Gott ihn liebt und ihm aus Liebe diese Freiheit gibt. – Der Mensch kann sich gegen Gott (und Beziehung zu ihm) entscheiden. Gott steht für das Leben, das Schöne, die Liebe, die Freiheit, das heil machen, lebendig machen. Gott ist gut. Nichts Böses ist in ihm. Kein Leid, keine Krankheit, kein Schmerz, kein Zwang, kein den Menschen klein machen, keine Zerstörung kommt von ihm. Diese „Dinge“ kommen woanders her. Da wird es dann schwierig und jetzt würde ich vielleicht lieber privat weiterschreiben. Ich versuche es erst mal hier. So wie ich die Dinge sehe, gibt es „etwas“ oder „jemanden“, der Leben zerstören will, krank machen will, zerstören will, Menschen klein machen will, verkrümmen will. Der überall das Leben verdrehen oder heraussaugen will. Man kann „ihn“ oder „das“ „das Böse“ nennen, oder Satan. Oder Lucifer, wie wie Luciferianer, die ja oft hinter den Kultgeschehen stecken, ihn nennen. Von dieser Quelle kommt das Böse, die Gewalt, der Schmerz, die Krankheit, das Leid, die Versklavung, die Unfreiheit, der Zwang, die Verurteilung usw. Alles, was zerstört oder Leben raubt. Wenn Menschen sich darauf einlassen, oder davon irgendwie beeinflusst werden, dann tun sie einander Böses an. Das kann im Kleinen so sein – oder auch im ganz großen Stile, wie bei ritueller Gewalt. Ich weiß nicht, was ihr alles erlebt habt. Zwei der Frauen, die ich ein Stück begleiten durfte, kommen aus den ganz dunklen Kreisen. Da wurde auch mit den Mächten, die aus dieser Richtung kommen, gearbeitet. Es waren keine Einschüchterungsmethoden oder durch Drogen beeinflusste Illusionen. Auch das gibt es. Aber da gingen sie in diesen dunklen Bereich hinein. Für mich ist das, was in rituellen Kreisen, egal welcher Art, geschieht, zutiefst böse. Ich frage mich immer verzweifelt, wer sich so was Krankes ausdenken kann. Klar, die Menschen machen mit. Aber die Quelle ist für mich in diesem Bereich des Bösen.

      1. du meinst, dass es sowas wie einen teufel gibt? und dass der die menschen böse werden lässt? meinst du das menschen nicht böse werden können, wenn sie eine beziehung zu gott haben?

      2. Ja – ich denke, dass es sowas gibt. Und ich denke dass eine echte Beziehung zu Gott (also nicht einfach so ein Kulturchristsein, Traditionen, Religiösität etc, sondern eine Herzensbeziehung zu Jesus uns verändert. In der Bibel steht: denen, die ihn aber aufnahmen (vorher steht: er kam in seine Welt aber die Seinen nahmen ihn nicht an) gab er Kraft, Gottes Kinder zu sein. Das bedeutet, dass wir tatsächlich seine Kinder und Erben sind und uns alles, was er hat (Güte, Barmherzogkeit, Heilung und so viel mehr) zur VErfügung steht. Auch wenn wir trotzdem manchmal Fehler machen…

      3. wenn gott uns alle irgendwie gemacht hat und dafür gesorgt hat, dass wir auf die welt kommen, dann ist ja auch was von ihm in uns drin, richtig? nicht nur das genetische von unseren körpereltern, sondern auch das, was man gar nicht sehen oder untersuchen kann im blut. und das, was dann von gott in uns drin sein könnte, das gute und die liebe und sowas, das muss man versuchen zu finden und festzuhalten.

      4. Ja – er hat uns in seinem Bild geschaffen steht da. Das bedeutet, er hat gaaaanz viel von sich in uns hinein gelegt. Egal wie man jetzt die biblische Erzählung vom Sündenfall (was ein theologisches und eigentlich kein biblisches Wort ist, glaube ich gerade) auffasst (als symbolische Erzählung oder als Bericht, der 1:1 so geschehen ist oder irgendwas dazwischen), dann will dieser Bericht uns sagen, dass Gott die Menschen gut geschaffen hat. In der Lage, mit ihm in Beziehung zu stehen. Das vermehret euch und macht euch die Erde untertan, wird oft falsch gedeutet/verstanden. Es ist nicht gemeint dass der Mensch sich die Erde unterwerfen soll, sondern dass er Sorge tragen soll und Gutes schaffen soll. Verantwortung für die restliche Schöpfung trgane darf und mit Gott mitgestalten darf. Und das vermehret euch ist nicht rein biologisch gemeint. Sondern so, dass es ja diesen Bereich gab, wo alles gut war und unter Gottes Segen. Aber der war ja eingegrenzt. Und was mit „Erde untertan“ machen gemeint war, ist, dass der Mensch die Grenzen des Gartens erweitern sollte. Außerhalb war es noch alles im Chaos, unter der Herrschaft des Zerstörers, des Bösen. Und nun war der Auftrag, diese Land zurückzuerobern. Mit der Entscheidung von Eva und Adam dem Bösen (hier in der Erzählung die Schlange) mehr zu vertrauen als Gott, ging der Schlüssel dazu verloren. Später wird berichtet, dass Jesus das wieder zurückerobert, durch seinen Tod und seine Auferstehung. Dass er alles nicht nur zurückdreht, sondern dass mit ihm (schon während er heilte und predigte, das Reich Gottes in diese Welt hineinbricht. Und diese Reich Gottes dürfen wir nun wieder ausdehnen / vermehren. Zurückerobern, was durch den Feind, den Tod, den Schmerz, das Leid verloren ging. Das aber nicht mit Gewalt, sondern mit anderen Waffen: mit Liebe, mit Barmherzigkeit, mit Annahmen anderer Menschen, damit dass wir andere segnen und mit Jesus leben und das tun, was er tat.

    4. Warum kann Gott nicht machen, dass die Menschen sich nicht mehr solche Schmerzen zufügen? Ja – die Frage ist so berechtigt. Es hängt für mich mit meiner ersten versuchten Antwort zusammen: der Mensch hat die Freiheit, sich zu entscheiden. Ein Eingreifen würde dem Menschen diese Freiheit rauben. Manchmal wünschte ich aber auch wie der Psalmschreiber David: dass Gott alle Übeltäter ausrotten würde…

    5. Wie könnte er denn vielleicht machen, dass die Schmerzen besser heilen können? – Ja – das tut er. Wir haben das hier erlebt. Die junge Frau, die ich begleitet habe, hat uns erlaubt (mir und meinen Seelsorgekolleginnen und Freundinnen) mit Jesus zusammen zu arbeiten. Es gab einige Situationen, in denen es in ihr arg kämpfte, weil so viele in ihr Gott und Jesus hassten (aufgrund vieler Dinge, die im Kult geschahen und wo ihr vermittelt wurde, dass Gott/Jesus daran schuld seien, bzw nicht helfen würden – das wurde mit der Folter vermischt) – und doch hatten einige sich entschieden, den Weg mit Jesus zu versuchen. Wir haben viele Wunder erlebt. Manchmal so unglaublich, dass ich zögere, sie zu erzählen oder aufzuschreiben, aus Angst, dass die Leute uns für verrückt halten. Wir haben körperliche Heilungen erlebt. Veränderungan am geschundenen und auch genetisch veränderten Körper. Einmal kam mein Mann nach Hause und sah uns (eine Freundin, die junge Frau und mich) und fragte, was wir denn gemacht hätten. Die junge Frau sah total verändert aus – und dass nicht nur, weil sie sich entspannt hätte oder so – es haben sich wirklich körperliche Merkmale verändert. – Weiterhin hat Jesus manche Schmerzen von Körpererinnerungen genommen. Und auch seelisch geheilt. Wir hatten Integrationen von Personen nur durch Gebet. Deprogrammierungen ebenfalls. Doch ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass alles total easy gewesen wäre. Es hat viel Anstrengungen von uns allen gekostet, sie zu begleitet. Sie hat viele Schmerzen immer noch durchleiden müssen, wo wir rein gar nichts tun konnten, außer da sein. Gebet machte es leichter. Trotzdem war es sauschwer für sie und ist es zum Teil auch heute noch. Ich glaube aber vieles wurde beschleunigt und manches einfach so heil. Ich hoffe, ihr könnt es glauben. Ich kann es manchmal selbst kaum glauben.

    6. Sind Jesus und Gott eigentlich das gleiche? Hmmm – das ist eine schwierige Frage, über die Theologen sich seit Jahrhunderten zoffen. Und ob ich da jetzt das so erklären kann, wie es stimmt, ist fraglich 😉 Ich versuche mal, meine Sicht hier kurz zu skizzieren – aber man – bitte nachsichtig sein… ich glaube, so richtig verstehen können wir Menschen das kaum.

    7. Also: Gott ist Einer (wobei ich das nicht so sehr auf ein männliches Ding reduzieren will – der Srachgebrauch ist aber wissenschaftlich halt so) – aber auch drei Personen. Beide gleichzeitig. Gott ist in sich Gemeinschaft. Er ist auf Gemeinschaft angelegt – und die drei Personen – von den alten Schriften der Bibel und den Menschen „Vater“ „Sohn“ und „Heiliger Geist“ genannt – haben Beziehung/Gemeinschaft miteinander. Leben Liebe miteinander. Keiner ist dem anderen übergeordnet. Alle dienen einander und erfreuen sich aneinander. Deshlab ist der Mensch auch auf Gemeinschaft angelegt: mit anderen Menschen und mit Gott. Jesus, so wie es uns im alten und neuen Testament berichtet ist, ist Gott, der Mensch geworden ist. Inkarniert sagen die Theologen. Also wie inunser Menschsein hineingeboren. Ganz Mensch und auch ganz Gott. Jesus sagt von sich selber, dass er den Vater offenbart. Dass er nur tut, was er den Vater tun sieht und sagt, was er den Vater sagen hört. Weil sie immer noch eins sind. Jesus sagt: Wer mich sieht, sieht den Vater. Und im Hebräerbrief im neuen Testament wird gesagt, dass Jesus den Vater vollkommen geoffenbart hat, dass da nichts noch nebenher nötig ist. Die Menschen haben Gott so viel angedichtet: Strafen, Gewalt, Gesetze usw. Nun kommt Jesus und sagt: schaut mich an – wer mich sieht, sieht den Vater. Das heißt: der Vater ist genauso wie Jesus. Und Jesus hat geheilt, befreit, sich den Armen und den aus der Gesellschaft ausgegrenzten zugewendet. Er war voller Barmherzigkeit. Er hat selber Gesetze übertreten und er hat seine Jünger in Schutz genommen, als ihnen vorgeworfen wurde, Gesetze zu übertreten. Er hat die Ehebrecherin vor den Leuten geschützt, die sie steinigen wollten. Man hat sich über ihn geärgert, weil er mit Sündern und Huren gegesse hat und mit ihnen gefeiert hat. Er hat das menschliche und religiöse System der damaligen Zeit total erschüttert. Dafür hat man ihn gehasst und schließlich verurteilt und gekreuzigt. Und er hat sich nicht gewehrt. Er ist gestorben, hat das Leid, den Schmerz und das Böse, was Menschen einander tun, getragen und mit sich in den Tod genommen. Und er hat das überwunden, indem er auferstanden ist. In all dem hat er den Vater/ Gott geoffenbart. „So bin ich – so ist Gott“ war die Botschaft: liebend, sich den Menschen zuwenden. heilend, befreiend, barmherzig, mitleidend, nicht verurteilend. sich selbst gebend. – Ach puh – ich hoffe, das ist jetzt nicht zu redundant. Kennt ihr den Film „Die Hütte“? Da wird Gott Vater als „Mama“ dargestellt, und der Heilige Geist als Frau. Die Einheit und Verschiedenheit der Personen Gottes wird sehr gut illustriert. Sicher auch nicht die letzte Wahrheit – aber es ist meiner Meinung nach viel Wahrheit dabei. Und hilft zu verstehen und Gott mal ganz anders zu sehen. Und das Thema Leid wird auch behandelt. — So, nun habe ich versucht diese sehr wesentlichen Fragen etwas zu beantworten – aus meiner ganz persönlichen Sicht. So, wie ich die Bibel verstehe und so, wie ich Jesus erfahre in meiner Beziehung zu ihm. Ich hoffe, es trifft ungefähr das, was ihr wissen wolltet

      1. danke, dass du das so alles erklärt hast. ich kann das leider nicht gut verstehen, aber das ist nicht so schlimm. ich muss das vielleicht öfter noch lesen wieder.

  3. Amen! Die Geschichte mit den Magiern / Astrologen zeigt für mich auch, dass es Gott ist, der Geschichte schreibt. Eigentlich wird ja an vielen Stellen vor Magiern gewarnt (z.B. bei Saul). Und hier spannt Gott sie in seine Geschichte ein als er Mensch wird und sich erniedrigt, um bei uns zu sein. Das ist schon krass.

    1. Jau – ich glaube, dass Gott da einiges tun kann und dass viele moderne „Magier“ suchende Menschen sind. ICh selber würde mich auf jegliche Form von „Magie“ (gerade auch die, die Estelle betreibt) nicht einlassen, aus Erfahrung heraus. Aber die Menschen sind prima und liebenswert. ICh wüsste auch gerne, wie es mit den drei Magiern von damals weitergegnagen ist. Sie haben ja auch noch diese Traum gehabt mit der Weisung von Gott, nicht zu Herodes zurückzukehren. Ich wüsste gerne, was sie aus all diesen Geschehnissen mitgenommen haben und wie ihr Leben dadurch verlaufen ist.

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