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Wenn man einmal von stereotypen Darstellungen von Maria und Josef und der Krippe absieht (diese wirken auf mich persönlich immer etwas passiv und langweilig), dann findet man nur schwer eine faszinierendere Persönlichkeit als Maria in den biblischen Erzählungen. Vielleicht gerade, weil sie so „normal“ erscheint, und ihr Leben und ihre Haltung dennoch alles andere als gewöhnlich ist.

Man schätzt, das Maria wahrscheinlich noch ein Teenager war, als der Engel ihr begegnete und sie später Jesus empfing. Maria war verlobt, und das typische Alter für eine Verlobungen lag damals in etwa zwischen zwölf und sechzehn Jahren.

Wenn ich die Erzählung der Ereignisse rund um Maria etwas näher auf mich wirken lasse, dann frage ich mich, wie diese junge Frau, dieser Teenager, das alles geschafft hat. Es auszuhalten, dass sich die Bekannten und Nachbarn den Mund zerreißen über die verfrühte Schwangerschaft. Die Spekulationen über den Vater des Kindes. Es auszuhalten, dass niemand dieser unglaublichen Geschichte, die sie alleine erzählen kann, Glauben schenken wird. Nicht bitter zu werden darüber. Die Auseinandersetzung mit Joseph über die Schwangerschaft, und die Angst, ihn dadurch zu verlieren.

Die Reise in hochschwangerem Zustand. Ob Maria manchmal Gottes Talent für Timing in Frage gestellt hat? Die Geburt in einer Höhle (wie die heutige Forschung weiß, denn damals dienten Höhlen als Viehstall), ohne die Mutter, oder eine erfahrene, ältere Frau, die helfen kann. Wie schwer für eine Erstgebärende.  Die baldige Flucht nach der Geburt, und die ständige Angst um das Leben des geborenen Kindes. Das Leben in einem fremden Land, als Flüchtlinge geduldet, aber dennoch nicht dazu gehörend und heimisch.

Woher nimmt diese junge Frau die Kraft für all dies? Ich stelle mir vor, dass nicht alles immer harmonisch läuft. Dass Maria und Josef sich zoffen. Dass sie nicht immer mit den stoischen und milde lächelnden Gesichtern unterwegs sind, die uns auf den Darstellungen in Kunst und Kitsch präsentiert werden. Es sind ganz normale, junge, und noch sehr unerfahrene  Menschen, die Maria und der Josef. Mit Ängsten und Zweifeln, mit Grenzen in ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit. Aber auch mit Vorfreude, mit Hoffnung und ganz viel Vertrauen ausgestattet.

Und das ist das Erstaunliche an Maria (und eigentlich genauso an Josef), dass sie vertrauen. Dass sie hoffen. Auch in Situationen, die jedes Vertrauen erschüttern, und jede Hoffnung zerstören könnten. Das sie festhalten an dem, was die Engel zu ihnen gesagt haben. Dass sie das Leben des Gottessohnes bergen, zuerst im Bauch und dann in ihrem Armen. In aller Bedrängnis. In der Fremde. In Armut. In Sorge. In Angst.  In Ungewissheit.

Gott bestätigt sie Beide. Er sendet ihnen Zeichen und Wunder. Ganz am Anfang, die Engel mit seiner Botschaft an sie. Das Erlebnis mit Elisabeth und Johannes. Die Fremden, die nach der Geburt kommen und anbeten: die armen und unbedeutenden Hirten und  die weisen und bedeutenden Magier, die von den Zeichen berichten, die sie selber sahen: Sterne und Heerscharen von Engeln. Die Warnung, die rechtzeitig kommt: flieht mit dem Kind. Die Geschenke der Magier und die damit verbundene göttliche Versorgung für die Zeit des Asyls in Ägypten. Und schließlich wieder ein Engel im Traum, der Entwarnung gibt und zur Rückkehr nach Israel ruft.

Wenn ich zwischen den Zeilen lese, dann öffnet sich mir Stoff für einen ganzen Roman. Dann frage ich mich, wie sie das genau gelebt haben in den langen Tagen der Reise nach Bethlehem. In den Stunden der Aufregung und Schmerzen der Geburt in einer Höhle. In den langen Tagen der Flucht. In den langen Tagen als geduldete Flüchtlinge im fremden Ägypten.

Das Vertrauen auf Gottes Wort (die Verheißungen und Jesus) hat sich durchgesetzt. Maria und Josef: Teenager. Liebende. Vertrauende. Hoffende. Ihr gehört zu meinen Lieblings-Glaubenshelden.

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